Groß war die Aufregung als plötzlich im hohen Gras ein dunkles, nasses Fellbündel lag. Wir hatten die Geburt bereits erwartet, waren dann aber dennoch alle überrascht, als es an diesem bedeckten Morgen Anfang Juni tatsächlich so weit war.

Erst am Vortag war der Zaun für die zweite Weide fertig gestellt worden, der ein flacheres Gebiet einzäunt und optimal für eine Alpakageburt wäre. Wäre, denn die Tiere standen noch auf ihrer gewohnten Weide und Blacky’s Fohlen kam genau dort auf die Welt, wo es das eigentlich nicht sollte – im steilen Gelände. Wir kamen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie das kleine Cria von all den Stuten im Gehege beschnuppert und begrüßt wurde. Dann hieß es aber handeln. Denn es bestand die Gefahr, dass es sich beim Aufsetzen überschlagen und immer weiter den Berg hinab bis zum Zaun kugeln würde und sich dort verletzen könnte. Wir trugen das nasse Knäuel kurzerhand unter genauer Beobachtung der ganzen Herde in den Stall, wo es sich zu seiner Mutter Blacky kuschelte und etwas wärmen konnte.

Es dauerte bestimmt eine Stunde bis es zuerst nur den Kopf auf dem langen dünnen Hals heben und dann endlich aufstehen konnte. Die Höflehner-Kinder bezogen ihren Beobachtungsposten vor dem Stall. Sie fieberten mit, bei jedem Versuch, den das Kleine unternahm bei seiner Mama zu trinken. Es dauerte dann aber 3 Stunden, bis er seinen ersten Schluck nehmen konnte. Er? Ja es ist ein kleiner Hengst und nun musste ein Name mit „M“ gefunden werden, nach seinem Vater Malik. Wäre es eine Stute hätte sie den Anfangsbuchstaben von ihrer Mutter bekommen. Die wilde Namenssuche konnte beginnen.

 

In der Zwischenzeit kamen all die anderen Stuten immer wieder vorbei um den Neuling zu beschnuppern und die freche Amelie roch den Braten auch gleich. Besser gesagt die gute Milch. Amelie ist erst ein Jahr alt und hat noch nicht vergessen, wie gut die schmeckt. Sie versuchte sich als Milchdieb und wurde dann leider mit ihrer Freundin Lucy, denn Alpakas sind nicht gerne alleine, weggesperrt. Und das gleich für eine ganze Woche. Sie versucht es bis heute immer wieder. Allerdings wird sie mittlerweile dafür regelmäßig von Mama Blacky weggespuckt.

Leider war die Nabelschnur so lange, dass er sich, wäre er unglücklich darauf gelegen und aufgestanden, wohl ausgerissen hätte. Somit mussten wir Hand anlegen, abbinden und abschneiden. Außerdem brauchte er ein paar Vitamine und wir mussten ihm Medizin geben, damit auch er das erste Mal den Kotplatz aufsuchen konnte.

Noch bevor es Abend wurde, konnte der Kleine herumlaufen und seine kuschelige, caramelfarbene Wolle war getrocknet. Erst eine Woche später konnten wir uns aber alle auf einen geeigneten Namen einigen. Nachdem seine ursprüngliche Heimat Südamerika ist, wurde es ein spanischer Name: Miguel. 

Wir haben alles von der Ferne beobachtet und auch bis heute ist angreifen leider nicht erlaubt. Denn gewöhnt es sich zu sehr an menschliche Nähe, kann das in der Alpakapubertät böse ausgehen. Es kann sein, dass er den Menschen als gleichwertigen Artgenossen sieht und seine Kräfte mit uns messen möchte.

Aber mit Miguel warten wir alle sehnsüchtig auf die Geburt seines Spielkameraden. Ende August soll auch Lina ein kleines Cria auf die Welt bringen. Wir sind schon gespannt wie es aussehen wird und posten bestimmt auch gleich Fotos auf unseren Instagram- und Facebook-Accounts.

Fakt
    -tastisch

Alpakas können den Geburtsbeginn zeitlich etwas steuern. Sie bekommen ihre Crias (Fohlen) üblicherweise in den Vormittagsstunden und vorzugsweise bei einer für eine Geburt vorteilhaften Wetterlage. So können die Kleinen, die nicht trocken geleckt werden, optimal in ihren ersten Tag starten.